zur Filmbeschreibung

Programm für: Dienstag 25.02.2020

VOM GIESSEN DES ZITRONENBAUMS


Palästina/ Frankr. 2018, Farbe, 102 Min., FSK: o.A.
Regie & Buch: Elia Suleiman
Darsteller: Elia Suleiman, Gael Garcia Bernal, Ali Suliman, Grégoire Colin, Alain Dahan

Der Künstler Elia kommt aus Nazareth und muss sich über Land und Leute doch sehr wundern. Schon der eigene Garten und seine Zitronenbäume sind vor den Begehrlichkeiten der Nachbarn nicht sicher. Bald bricht Elia auf, um anderswo heimisch zu werden und die seltsame Einsamkeit des kopfschüttelnden Beobachters hinter sich zu lassen. Er geht in jene Länder, wo die Frauen frei sind und die Kunst so schön tolerant, wo die Parks öffentlich sind und niemand nachbarliche Zitronen stiehlt. Elia wird zum Kundschafter in den westlichsten Metropolen, Paris und New York. Auf seinen Streifzügen durch die Räume des Urbanen gerät er zwischen aggressive Parkbesucher, ferngesteuerte Touristen, rollende Polizisten und bis an die Zähne bewaffnete Spaziergänger. Erneut muss sich Elia wundern, doch aus dem Wundern wird bald ein nur zu bekanntes Befremden. Auch hier ist die Welt aus den Fugen geraten, haust ein Schrecken in den Begegnungen. Immer kleiner wird die Mimik dessen, der als Heimatsuchender ankam und zur Teilnahmslosigkeit verurteilt ist. Und immer größer wird das Ausmaß des Absurden, das zu unserer Normalität geworden ist. Bleibt am Ende nur die Freundschaft mit einem kleinen, frechen Vogel? Elia kehrt zu seinem Garten in Nazareth zurück und muss sich abermals wundern: über einen liebevoll gepflegten und gedeihenden Zitronenbaum.
Als unbeschwerter Flaneur läuft Regisseur Elia Suleimann los und erlebt eine Irrfahrt in die absurden Abgründe unserer Zeit. Kaum jemals hat sich die Erschütterung eines Beobachters so leichtfüßig in einer Komödie der Irrungen Ausdruck verschafft. Mit viel Lust an der Komik, die im Widerspruch liegt, gelingen in VOM GIESSEN DES ZITRONENBAUMS grandiose Sketche, die sich zum schrecklich schönen Panorama einer nahenden Apokalypse zusammenfügen.

Auf den Nahost-Konflikt, auf das Leid des palästinensischen Volkes, gibt es viele unterschiedliche Reaktionen. Elia Suleiman wählt in seinen Filmen das distanzierte Staunen, blickt mit verblüffter Verwunderung auf die Absurdität der Lage in Palästina. In seinem neuen, in Cannes ausgezeichnetem Film „It must be Heaven“ erweitert er nun seinen Blick - um am Ende doch in seiner Heimat einen Funken Hoffnung zu finden.
(programmkino.de)

Do 16. und Fr 17. Januar jeweils um 15 Uhr
Fr 17. bis Mi 22. Januar tägl. 19.15 Uhr (Di in OmU)

Zum Seitenanfang