Cinema Italia

CINEMA ITALIA! Neues Kino aus Italien


Die Organisatoren der Festivaltornée CINEMA ITALIA! Francesco Bono, Franco Montini und Piero Spila (Made in Italy, Rom) sowie Wilfried Arnold und Helge Schweckendiek vom Göttinger Kairos Filmverleih forulieren es in ihrem Grußwort zur diesjährigen CINEMA ITALIA - Reihe für die FreundInnen des italienischen Kinos so:
25 Jahre Cinema Italia! Das ist eine beeindruckende Zahl, auf die wir alle gemeinsam – Veranstalter, Organisatoren, Förderer, Kinos und natürlich Sie, das Publikum – zu Recht ein wenig stolz sein dürfen. Auch unser Festival hat Höhe und Tiefen erlebt; gerade erst liegen zwei durch die Corona-Pandemie geprägte Jahre hinter uns. Wir wissen noch nicht, wie die Situation im Herbst sein wird, aber wir sehen unserer Jubiläums-Tournee voller Optimismus entgegen. Wir hoffen, dass es auch wieder gelingen wird, einige Gäste nach Deutschland zu holen. Das Programm soll wie jedes Jahr die Bandbreite des künstlerisch engagierten Filmschaffens in Italien widerspiegeln; erstmals haben wir auch einen großen Klassiker des italienischen Kinos mit aufgenommen.
In jedem Fall sind wir gespannt auf Ihre Meinung zu den ausgewählten Filmen – in den Kinos liegen die Stimmkarten aus. Denn mit Ihren Stimmen wird der Lieblingsfilm der Tournee gewählt, der dann im Dezember zum Abschluss den Cinema Italia-Publikumspreis erhält.

Die Reihe CINEMA ITALIA! ist im Kino Traumstern in Lich vom 6. bis 16. Oktober zu sehen. Jeder der sechs Filme hat zwei Spieltermine, die noch bekannt gegeben werden.


ARIAFERMA / Verriegelte Luft


Italien 2022, Farbe, 117 Min., OmU
Regie: Leonardo di Costanzo
Mit Toni Servillo, Silvio Orlando, Fabrizio Ferracane, Salvatore Striano, Roberto De Francesco

Ein altes Gefängnis in den Bergen steht kurz vor der Schließung. Die wenigen übrig gebliebenen Häftlinge und Beamte warten auf ihre Verlegung. Das große Gebäude ist in schlechter Verfassung, Küche und andere Gemeinschaftsräume sind bereits geschlossen. Nach und nach scheinen die üblichen Gefängnisregeln immer weniger Sinn zu machen und die ungewisse Situation steigert die Spannungen. Schließlich liefern sich der leitende Wärter Gaetano (Toni Servillo) und der schon lange einsitzende Mafioso Carmine (Silvio Orlando) einen Machtkampf um die Kontrolle über das Gefängnis…
Ein spannendes Drama mit existenzialistischen Untertönen. Erstmals treffen die beiden Megastars des italienischen Kinos Toni Servillo und Silvio Orlando in einem psychologischen (und schauspielerischen) Duell aufeinander. Ariaferma wurde mit zwei italienischen Filmpreisen „David di Donatello“ ausgezeichnet, darunter für das beste Drehbuch.

Leonardo Di Costanzo (1958 in Ischia). Nach einem Studium der Anthropologie zieht er Anfang der 90er Jahr nach Paris, wo er sich dem Film nähert. Dort arbeitet er für das französische Fernsehen und dreht seit 1998 mehrere Dokumentarfilme. 2012 entsteht sein erster Spielfilm L’intervallo, mit dem er den David di Donatello für das beste Debütwerk erhält. Mit L’intrusa (2017) wird er zum Festival nach Cannes eingeladen. Sein dritter Spielfilm Ariaferma hat 2021 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere

Do 6. und Di 11. Oktober jeweils um 18.45 Uhr

CALCINCULO / Karussell


Italien 2022, Farbe, 82 Min., OmU
Regie: Chiara Bellosi
Mit Gaia Di Pietro, Andrea Carpenzano, Barbara Chichiarelli, Giandomenico Cupaiuolo

Die 15-jährige Benedetta lebt mit ihren Eltern und den jüngeren Geschwistern in der süditalienischen Provinz. Wegen ihres Übergewichts gilt sie als Außenseiterin und wird häufig gemobbt. Als vor der Haustür der Familie ein Jahrmarkt seine Zelte aufschlägt, lernt sie die Schausteller:in Amanda kennen, die selbstbestimmt lebt und sich Gendernormen widersetzt. Amandas Souveranität fasziniert Benedetta sofort. Da wird Schule schnell zur Nebensache. Die beiden reden wenig, doch für Benedetta wird Amanda zur Einladung, sich einem Leben zu öffnen, von dem sie bisher glaubte, dass es ihr nicht zusteht... Chiara Bellosis zweiter Spielfilm (nach Palazzo di Giustizia, Cinema Italia 2020) ist die zärtliche Beobachtung einer ungleichen Freundschaft und erzählt zugleich von Selbstentdeckung und vom Ausbrechen. Calcinculo hatte seine Uraufführung im Panorama der Berlinale 2022.

Chiara Bellosi (1973 in Mailand) Nach ihrem Abschluss in Dramaturgie an der “Civica Scuola di Teatro Paolo Grassi” in Mailand studiert sie Film am Europäischen Institut für Design in Venedig. Sie schreibt abwechselnd für Theater, Film und Belletristik. 2005 dreht sie ihren ersten Kurzfilm, Devota. Ihr erster Spielfilm Palazzo di Giustizia wird 2020 bei der Berlinale und bei Cinema Italia präsentiert. CALCINCULA feiert 2022 ebenfalls auf der Berlinale Weltpremiere.

Fr 7. Oktober um 19 Uhr und Mi 12. Oktober um 17.15 Uhr

COME UN GATTO IN TANGENZIALE – RITORNO A COCCIA DI MORTE

Wie eine Katze auf der Autobahn – Die Rückkehr

Italien 2021. Farbe, 110 Min., OmU
Regie: Riccardo Milani
Mit Paola Cortellesi, Antonio Albanese, Sonia Bergamasco, Claudio Amendola, Luca Argentero

Monica und Giovanni sind zurück! Wir erinnern uns: der feinsinnige Intellektuelle und die prollige Vorstadtmadam waren in der Erfolgskomödie Come un gatto in tangenziale/Wie eine Katze auf der Autobahn (Cinema Italia 2018) auf spektakuläre Weise aneinandergeraten. Jetzt gibt es neuen Stress: Monica wird verhaftet, weil ihre kleptomanischen Zwillingsschwestern Diebesgut bei ihr versteckt haben. Giovanni gelingt es, sie aus dem Knast zu holen und ihre Strafe in gemeinnützige Arbeit in einer anderen Gemeinde umzuwandeln. Dummerweise liegt Monicas neues Wirkungsfeld genau neben dem schicken Kulturzentrum, das Giovanni in Kürze eröffnen will.
Genauso lustig und turbulent wie der erste Teil. Paola Cortellesi und Antonio Albanese sind wieder in Hochform, und der neue Film wurde in Italien verdientermaßen zum absoluten Kassenknüller.

Riccardo Milani (1958 in Rom) Er arbeitet zunächst als Assistent von Mario Monicelli, Nanni Moretti und Daniele Luchetti. 1997 feiert er sein Regiedebüt mit Auguri professore, worauf zahlreiche erfolgreiche Fernsehproduktionen und Kinofilme folgen. Bei Cinema Italia liefen Come un gatto in tangenziale (2017), Ma cosa ci dice il cervello (2018) und jetzt Come un gatto in tangenziale - Ritorno a Coccia di Morto (2021).

Sa 8. Oktober um 19 Uhr und Do 13. Oktober um 18 Uhr

DESERTO ROSSO / Rote Wüste

Klassiker/Hommage an Monica Vitti

Italien 1964, Farbe, 116 Min., OmU
Regie: Michelangelo Antonioni
Mit Monica Vitti, Richard Harris, Carlo Chionetti, Xenia Valderi, Rita Renoir, Aldo Grotti, Lili Rheims

Giuliana, die Frau eines Ingenieurs und Fabrikbesitzers in Ravenna, gerät nach einem Autounfall in Angstzustände: Mann und Kind werden ihr fremd, die künstliche Umwelt der Fabriken und Raffinerien, die neuen Technologien, die ihren Mann Ugo faszinieren, werden in ihrer Wahrnehmung bedrohlich, verwandeln sich in apokalyptische Visionen des Zerfalls. Nach einer kurzen Liaison mit einem Kollegen und Partner ihres Mannes kehrt sie jedoch ins alltägliche Leben zurück:

Deserto rosso war Michelangelo Antonionis erster Farbfilm. Er schildert die psychische Krise seiner Heldin mit einer raffinierten, bewusst irrealen Farbdramaturgie. Es ist auch einer der ersten Filme, die sich Mitte der 60er Jahren mit den Folgen der Industrialisierung und Umweltverschmutzung auseinandersetzten. Monica Vitti spielte zum vierten Mal die Hauptrolle in einem Film von Antonioni und ist mit ihrer eindringlichen Darstellung hier auf der Höhe ihrer Kunst. Wir zeigen Deserto rosso auch als Hommage an die unlängst verstorbene großartige Schauspielerin.

Michelangelo Antonioni (1912, Ferrara - 2007, Rom) Nach seinem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften studierte er am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. Er arbeitete im Umkreis Zeitschrift „Cinema“ und debütierte 1943 mit dem Dokumentarfilm GENTE DEL PO. Nach Kriegsende arbeitete er mit Federico Fellini, Luchino Visconti und Giuseppe De Santis zusammen, bevor er 1952 seinen ersten Spielfilm CRONACA DI UN AMORE drehte. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er Anfang der 1960er Jahre mit L‘ AVVENTURA, LA NOTTE und L‘ ECLISSE, für die er in Cannes und bei den Berliner Filmfestspielen ausgezeichnet wurde. DESERTO ROSSO gewann beim Filmfestival von Venedig, während BLOW-UP in Cannes mit der Goldenen Palme prämiiert wurde. Im Jahr 1983 wurde er bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zwei Jahre später unterbrach ein Schlaganfall seine Karriere. 1995 drehte er einen letzten Film zusammen mit Wim Wenders, AL DI LÀ DELLE NUVOLE (Jenseits der Wolken).

So 9. Oktober um 18.45 Uhr und Fr 14. Oktober um 17.45 Uhr

IL LEGIONARIO / Der Legionär


Italien 2022, Farbe, 81 Min., OmU
Regie: Hleb Papou
Mit Germano Gentile, Maurizio Buosso, Felicitè Mbezelè, Marco Falaguasta, Giancarlo Porcacchia

Daniel ist als Sohn von afrikanischen Eltern in Rom geboren und in einem besetzten Gebäude aufgewachsen. Vor Jahren hat er beschlossen wegzugehen, um ein neues Leben anzufangen, doch nun ist er gezwungen zurückzukehren. Diesmal trägt er jedoch eine Polizeiuniform und soll den alten Wohnkomplex räumen, wo immer noch seine Mutter und sein Bruder Patrick leben, der inzwischen der Anführer der Hausbesetzer ist. Die Polizeieinheit, der er angehört, ist für Daniel wie eine Zweitfamilie, auch wenn es immer wieder Vorbehalte gegen den einzigen schwarzen Polizisten in der Abteilung gibt. So hat er auch seine Vergangenheit in dem besetzten Haus verschwiegen. Der Tag der Räumung rückt näher. Daniel gerät immer mehr in ein Dilemma…
Römische Legionäre des 21. Jahrhunderts: Das packende und vielschichtige Porträt eines afrikanisch-italienischen Polizisten stellt viele Gewissheiten infrage – auch die eigenen. Filmemacher Hleb Papou ist selber Migrant aus Belarus und gewann mit Il legionario beim Filmfestival von Locarno den Preis als bester Nachwuchsregisseur.

Hleb Papou (1991 in Minsk) lebt seit 2003 in Italien und erregt 2013 die Aufmerksamkeit mit seinem ersten Kurzfilm La foresta rossa. Nach dem Studienabschluss an der Universität Roma Tre und dem Abschluss in Regie am Centro Sperimentale di Cinematografia von Rom dreht er die Kurzfilme, Il legionario (2017) und L’interprete (2018) sowie den Dokumentarfilm Una vita in più (2020). Aus dem Kurzfilm Il legionario entwickelte sich der gleichnamige Spielfilm, für den er beim Festival von Locarno ausgezeichnet wird.

Mo 10. Oktober um 19 Uhr und Sa 15. Oktober um 18 Uhr

WELCOME VENICE


Italien 2022, Farbe, 103 Min., OmU
Regie: Andrea Segre
Mit Paolo Pierobon, Andrea Pennacchi, Ottavia Piccolo, Roberto Citran, Sara Lazzaro, Giuliana Musso

Zehn Jahre nach meinem Film Io sono Li kehre ich mit Welcome Venice zu einem Film zurück, in dem die Stadt Venedig, die Orte und ihre Bewohner eine grundlegende Rolle spielen. Ein Film, der in die Gassen und Gewässer eines Venedigs eintaucht, das Angst hat, zu verschwinden und nicht weiß, wohin die Zukunft führt, aber dennoch die Kraft findet, zu existieren und zu sich selbst und zur Welt zu sprechen. Ein Venedig, das Gefahr läuft, von seiner eigenen Schönheit und seinem Ruhm verschlungen zu werden, eine Stadt, die die uns alle betreffenden Dringlichkeiten und globalen Veränderungen symbolisiert, eine Stadt, die Leben, Bürger und Räume braucht. In einer schwierigen Zeit wie dieser freue ich mich, dass mein Film einen Dialog zwischen dem Kino und der Stadt Venedig, zwischen dem Kino und der Welt da draußen anregen kann.

Andrea Segre (1976 in Dolo bei Venedig) Nach seinem Studium der Soziologie beginnt er eine erfolgreiche Karriere als Dokumentarfilmer, bevor er mit Io sono Li (2011) sein Spielfilmdebüt gibt. Unlängst lief seine Dokumentation über Venedig im Corona-Lockdown in deutschen Kinos: Molecole/Moleküle der Erinnerung (2020).

Mi 12. Oktober um 19 Uhr und So 16. Oktober um 18 Uhr